CITYGUIDE Teltow

04. Ortsteil Ruhlsdorf


Der erste schriftliche Nachweis mit der Erwähnung von Ruhlsdorf ist datiert auf das Jahr 1299. In einer markgräflichen Urkunde steht, dass das Dorf Rueueltstorp neben der Stadt Teltow und weiteren sechs Orten des Bäketales dem Bischofe und Kapitel von Brandenburg wegen einer Schuldverschreibung versprochen wird. In einer nachfolgenden Urkunde aus dem Jahr 1308 geht Ruhlsdorf neben den erwähnten anderen Ortschaften vollständig aus der Herrschaft der askanischen Markgrafen in den Besitz des Brandenburger Bistums über. Das Landbuch von Kaiser Karl IV. im Jahr 1375 betätigt diese Besitzverhältnisse und gibt Ruhlsdorf (hier Ruloffstorff) mit 50 Hufen an.

Die Entstehung des Dorfes fällt mit der Landnahme und Besiedlung der Mittelmark, während der Herrschaft der askanischen Markgrafen, Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts zusammen. In der Folge gründeten deutsche Siedler die heute noch bestehenden oder im mittleren Brandenburg erkennbaren Ortschaften. Bezüglich der Anlage fällt Ruhlsdorf unter die so genannten Straßendörfer - wegen seiner Breite kann es auch als Straßenangerdorf angesehen werden.

Der Wahl des Platzes entsprachen die natürlichen Gegebenheiten. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts betrug der Anteil der Waldfläche etwa ein Drittel der gesamten Feldflur. Erhebungen für das Betreiben einer Windmühle (sie ist seit alters her in Ruhlsdorf nachzuweisen) sowie für die Anlegung eines Weinberges, zum bereits im Spätmittelalter üblichen Weinanbau, waren nahe dem Kerndorf ausreichend vorhanden. Dazu kam eine Anzahl natürlich entstandener Teiche, die in Verbindung mit dem Schönower See in Teltow gestanden hatten. Ihre Erweiterung und Nutzung zur Fischzucht für die Zeit im und vor dem 18. Jahrhundert ist ebenfalls belegt. Schließlich und letztendlich wurde Ruhlsdorf an eine alte Verkehrsverbindung von Süd nach Nord gelegt, die bereits in der Zeit vor der Besiedlung und Ortsgründung eine große Rolle gespielt hatte. Eine Wegekreuzung an dieser Stelle entstand nun, indem die neuen Dörfer sich in West/Ost-Richtung  verbanden, beispielsweise von Sputendorf über Ruhlsorf nach Heinersdorf und Osdorf.

Mit der Entstehung des Ortes ist gleichzeitig sein ältestes noch erhaltenes Bauwerk zu nennen. Die Ruhlsdorfer Feldsteinkirche mit eingezogenem rechteckigem Chor und Westturm am Dorfanger weist in seiner Bauart und den behauenen Granitquadern unzweifelhaft auf die  Mitte des 13. Jahrhunderts hin, der Zeit, als man das Dorf gründete.

Über die Zeit, als die Brandenburger Bischöfe die Herrschaft über Ruhlsdorf ausübten, ist wenig bekannt. Bereits Anfang des 15. Jahrhunderts vergaben die Landesharren Anteile von Ruhlsdorf als Lehen. So fiel das Eigentum an Ruhlsdorf allmählich wieder an die Brandenburgischen  Kurfürsten zurück. Die Besitzer der Ruhlsorfer Lehen, wie das Schulzengericht mit 4 Hufen, einen abgabefreien Hof mit 5 Hufen oder das Patrimoniat, wechselten seit dem Jahr 1400 recht häufig und bestanden fast ausschließlich aus vermögenden Berliner Bürgern. Als erster adliger Lehnsherr von Ruhlsdorf trat Henning von  Rathenow auf. Er war der Gründer eines Vorwerkes, das seine Söhne auf 11 Hufen unter Einziehung von drei Bauernhöfen vergrößerten. Nach kurzeitigem Besitz des Dorfes durch Otto von Britzke erhielt nach ihm Georg Ernst von Stockheim die Belehnung im Jahr 1652 vom Kurfürst Joachim II.

Bei Antritt seines Lehens war kurz zuvor der Dreißigjährige Krieg überstanden. Das Dorf selbst war in einem traurigen Zustand. Von Stockheim schreibt selbst in einem Brief, dass er Ruhlsdorf „ganz wüste“ antraf. Von den ehemaligen Bewohnern auf 12 Höfen, dem Müller- und Kruggut (ca. 40 Männer) waren nur noch insgesamt 8 männliche Einwohner im Dorf anzutreffen. Welche Verwüstungen die Söldner in Ruhlsdorf hinterlassen haben, ist nicht überliefert. Bekannt und belegt ist aber, dass in den Jahren 1630 bis 1633 die Pest im Raum Teltow so gewütet hat, dass manche Dörfer fast leer gefegt waren. Der Ort muss aber wieder  aufgeblüht sein, was auch in den Kirchenbüchern mit vermehrten Einträgen von Trauungen und  Kindstaufen  nachzuverfolgen ist. Mit einher ging der (land)wirtschaftliche Aufschwung.

Vom schriftlichen Nachlass des Sohnes des Georg Ernst von Stockheim, Christoff Ernst, wird bekannt, dass er das Rittergut in Ruhlsdorf mit neuen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden versah. Auch eine neue Windmühle und die Erneuerung des wüst gewordenen Weinberges werden erwähnt. In die Belehnungszeit der Familie von Stockheim fällt jedoch auch das so genannte Bauernlegen. Wie auf anderen Rittergütern der Mark eignen sich die Grundherren den Besitz der freien Bauern an und führen so genannte Lassgüter ein. Den ehemals 11 Bauern (einschließlich Müller) mit ebenso vielen Höfen im Jahr 1624 stehen 70 Jahre später 11 Kossäten auf unfreien Lassgütern, einschließlich streng geregeltem Hofdienst auf dem Rittergut gegenüber.

Noch mehr Glanz bricht über Ruhlsdorf herein, als die Belehnung des Rittergutes samt allen seinen Zubehörungen an die adlige Familie von Thiele fällt. Gottfried von Thiele, Nachfolger seines Vaters Martin, lässt auf dem Gutshof entlang der Dorfstraße ein lang weiträumiges frühklassizistisches Herrenhaus erbauen, welches seinem Status als Hofmarschall in den königlichen Residenzien Berlin und Potsdam entspricht. Von diesem Herrenhaus existiert eine Abbildung auf einer Ruhlsdorfer Postkarte sowie ein Grundriss des Gutsgeländes auf einem Situationsplan aus dem Jahr 1855. Leider verschwand dieses Bauwerk im Mai des Jahres 1913 aus dem Ruhlsdorfer Ortsbild. Als die Stadt Berlin im Zusammenhang mit der Anlegung der Rieselfelder die Gutsbesitzungen in Ruhlsdorf erwarb, ließ sie das ehemalige Herrenhaus „wegen Baufälligkeit“ niederreißen.
Auch in der Ruhlsdorfer Kirche hinterlassen die von Thiele ihre Spuren, indem sie eine herrschaftliche Loge im Turmteil der Kirche errichten, geschmückt und ausgemalt mit ihrem Wappen. Im Jahr 1777 erbte der Schwiegersohn des Vorgängers von Thiele, Leopold von Retzow, das Rittergut, das nach seinem Tod im Jahr 1803 zwangsversteigert werden musste. Anfang des 19. Jahrhunderts wechselten das Gut und seine Ländereien recht häufig seine Besitzer, bis es 1829 der letzte Käufer Emil Bouvier übernahm.

Zwischen 1819 und 1823 gehen auch wichtige politische Veränderungen im preußischen Königreich nicht an Ruhlsdorf vorbei. Im Jahr 1819 entfallen die Naturalabgaben, die an den Gutsbesitzer abgeführt werden mussten. Die Kossäten wurden von der Knute des Hofdienstes befreit. Die endgültige Befreiung der Bauern erfolgte 1823 mit der Verordnung zur Regulierung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse für die Provinz Brandenburg. Die Lassgüter wurden abgeschafft und von nun an konnten sie wieder frei über ihr Eigentum an Hof und Ackerland verfügen. Die Geschichte des Ruhlsdorfer Rittergutes endete im Jahr 1890, als die Witwe Bouvier den Besitz und die Länderein an die Stadt Berlin verkaufte.

Die einsetzende Industrialisierung des nahe gelegenen Berlin macht sich im benachbarten Teltow, wie auch inRuhlsdorf dadurch bemerkbar, dass sich vermehrt Tagelöhner und Industriearbeiter im Ort wohnlich niederließen. Das verstärkt sich zu dem Zeitpunkt, als die Anhalter Eisenbahngesellschaft Arbeitskräfte sucht. Auch mit dem Beginn der planmäßigen Entwässerung des zur Großstadt anwachsenden Berlin finden Ruhlsdorfer Arbeit bei der Anlegung und Betreibung der Rieselfelder außerhalb und innerhalb der Feldmark Ruhlsdorf.

Um 1850 beginnt die erste Phase einer Erweiterung des Dorfes über seine ursprüngliche Lage, an der heutigen Dorfstraße, hinaus. Zuerst an der heutigen Teltower Straße und entlang der Sputendorfer Straße. Nach 1900 wächst der Ort kontinuierlich bis er an seine heutigen Grenzen stößt.

Galerie


Zurück

•  Datenschutz
•  Kontakt
•  Impressum
•  Stadtwebseite
•  Suche